Donnerstag, 31. März 2011

Das Plastikproblem - Ein kleiner Überblick über die wichtigsten Kunststoffe und ihre gesundheitsschädigende Wirkung

Ich habe mich in den letzten Tagen nochmal intensiver mit dem Plastikproblem beschäftigt.

Der kritischste Kunststoff ist PVC (Polyvinylchlorid), der wird allerdings heutzutage kaum noch hergestellt, da inzwischen ja bekannt ist, dass hier gefährliche Gase entstehen. Beim PVC ist Chlor an den Polyvenylketten gebunden, welcher mit der Zeit ausdamfen kann.
Heute findet sich PVC hauptsächlich in Bodenbelägen, sollte eure Mietwohnung einen PVC Boden haben, würde ich mal mit dem Vermieter über das Austauschen sprechen, besonders wenn der Boden im Schlafzimmer ist.

Heute finden wir oft PET (Polyethylenterephthalat), insbesondere bei Plastikflaschen. PET enthält zwar keine Weichmacher (Auch wenn der Name es vermuten lässt), enthält jedoch dennoch östrogenartige Substanzen (Stunde der Uni Frankfurt am Main aus dem Jahr 2009), was gesundheitsschädlich ist, bei Fischen wurden in stark Plastikbelasteten Gewässern bereits bisexuelle Arten gefunden. Weiterhin gast PET gesundheitsschädliches Ethanal (Acetyldehyd) aus, welches im Extremfall Leberzirrhose verursachen kann.
Ethanal ist übrigens das Abbauprodukt von Alkohol. Also der Körper wandelt Alkohol in Ethanal um und das Ethanal ist es was die üblichen unangenehmen Erscheinungen wie Kater, Kopfschmerzen, Übelkeit etc. verursacht.
Laut Bundesinstitut für Risikobewertung ist die in PET enthaltene Dosis an Ethanal zwar unbedenklich, aber meine persönliche Meinung ist dennoch, dass man hier kritisch sein sollte, da immer die Frage ist, wie hoch die kritischen Grenzwerte sind. Da es noch nicht allzulange in dieser Menge Kunststoffe gibt, existieren natürlich auch noch keine großen Forschungsberichte über Langzeitstudien.
Eine frischabgefüllte PET-Flasche leerzutrinken ist sicherlich auch weniger kritisch, als eine PET-Flasche mehrmals zu benutzen und zwischendurch heiß auszuspülen. Hitze, Knicke und Kratzer sorgen erst recht dafür, dass das Ethanal in die Flüssigkeit gelangt, ebenso wie Kohlensäure. Eine längere Lagerzeit des Getränkes in der Flasche ist ebenfalls ungünstig.

Besonders kritisch sind aber Polyester, Polycarbonate und Epoxidharze, für ihre Herstellung wird Bisphenol A verwendet. Hier mal ein Ausschnitt aus dem entsprechenden Wikipedia-Artikel:

Aus Bisphenol A enthaltenden Kunststoffen, insbesondere aus Polycarbonat, werden zahlreiche Gegenstände des täglichen Gebrauchs mit direktem Kontakt zu
Lebensmitteln und GetränkenBeschichtungen für metallische Behälter ebenfalls für Lebensmittel wie Konservendosen und für Getränkebehälter und Wasserkocher hergestellt. Außerdem verwendet man Epoxidharze für Lacke, Farben, Klebstoffe, und Innenbeschichtungen zur Sanierung von Trink- und Abwasserbehältern und -rohren. Das ist von gesundheitlicher Relevanz, da zwar die polymeren Endprodukte selbst biologisch weitgehend inert sind, aus ihnen allerdings der Ausgangsstoff BPA unter Umständen wieder freigesetzt wird und dann gesundheitliche Schäden verursachen kann.Wärme bzw. Aufheizen, Säuren und Laugen begünstigen das Freisetzen von BPA aus dem Polymer. Kochendes Wasser beschleunigt die Rate auf das 55-fache.Auch einige Arten von Thermopapier enthalten BPA in der Beschichtung, wodurch es in den Papierkreislauf gelangt. Über dieses Thermopapier gelangt der Stoff auch direkt über die Haut ins Blut. Eine deutlich erhöhte Belastung von Kassiererinnen in Supermärkten wurde nachgewiesen.


Polycarbonat, Polyester und Epoxidharze sind demnach möglichst zu vermeiden. Polyester findet man häufig in minderwertiger Kleidung, Polycarbonate s.o.


Und zum Schluss noch eine gute Nachricht:

Die Kunststoffe Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE) enthalten keine Weichmacher und soweit bekannt auch keine anderen kritischen Stoffe. Bei Polyethylen kann man noch in HDPE (high-density Polyethylen - wenig verzweigte Ketten, hohe Dichte des Materials) und LDPE (low-density Polyethylen - stark verzweigte Ketten, geringe Dichte des Materials) unterscheiden.
Polypropylen wird aus dem Monomer Propen hergestellt, Polyethylen durch Polymerisation von Ethen. Beide Ausgangsstoffe sind ungiftig. Es besteht einzig noch die Möglichkeit, dass den Polymeren verschiedene Stoffe zugesetzt werden um die Eigenschaften zu verbessern.

Das bedeutet, wenn irgendwo HDPE, LDPE, PE oder PP draufsteht sind wir schonmal auf der sicheren Seite, optimal wäre es, sich zu informieren, ob dem Kunststoff noch schädliche Substanzen zugesetzt worden sind.

Die typischen Tüten für Obst und Gemüse sind meistens aus gedehntem PE hergestellt, daher gesundheitlich in Ordnung.

Aber das Fazit sollte nun nicht lauten: kauft nur noch PE oder PP, auch dies sollte zu Gunsten der Umwelt so weit wie möglich vermieden werden. Denn auch die nicht gesundheitsschädlichen Kunststoffe müssen irgendwie vernichtet werden, sind Erdölendprodukte (außer Biokunststoffe aus Palmöl, dafür wird dann aber wiederum Regenwald abgeholzt) und landen oft als kleinste Partikel in den Ozeanen und töten tausende an Fischen und Vögeln die das Zeug fressen und dann elendig, mit vollem Magen verenden!

Quellen:
http://www.umweltlexikon-online.de/RUBwerkstoffmaterialsubstanz/Polyethylen.php
http://de.wikipedia.org/wiki/Polypropylen
http://de.wikipedia.org/wiki/Polyethylen
http://de.wikipedia.org/wiki/Polyethylenterephthalat
und Wissen aus meinem Kopf (Chemiestudium sei Dank)


Gestern waren wir dann mal wieder beim Alnatura um neues Obst und Gemüse zu kaufen und ich hab direkt mal gefragt, ob es okay ist, wenn ich keine Plastiktüte verwende sondern meine Äpfel einfach alle zusammen abwiege und den Aufkleber dann auf einen draufklebe. Die Verkäuferin war sehr nett, schien aber kurz etwas verwundert, dass ich nachfrage, so selbstverständlich war es für sie, dass das okay ist. Und auch eine andere Verkäuferin an der Kasse, hat ganz selbstverständlich das Obst und Gemüse nach den Aufklebern durchsucht, die gescannt und die anderen so durchgegeben. Also alles bestens. :-)
In Zukunft werde ich zudem vermehrt darauf achten, aus welchen Kunststoffen so die Lebensmittelverpackungen der Lebensmittel sind, auf die ich nicht verzichten möchte und dies hier dann posten. Und jetzt gucke ich mir erstmal unseren Wasserkocher genauer an...

Kommentare:

moeri hat gesagt…

Das ist echt ein wichtiges Thema! Danke, dass du es aufgreifst! Jetzt habe ich direkt mal unter meine Maus geguckt, aber da ist nur das CE-Siegel. Meinst du, das zeichnet das Produkt auch als unbedenklich aus? Die Verpackung meines Alverde Gesichtswassers sagt gar nix zu der Plastikart. Aber ich werde in Zukunft sowieso meinen Verpackungsbedarf stark verringern, vor Allem im Körperpflegebereich =) Mir reicht mittlerweile wirklich die Kombi aus Lush's Fresh Farmacy und eine Creme für's Gesicht. Und ich glaube, ich werde auch lieber Lush Massage Bars nutzen anstatt einer Körpercreme in Plastikverpackung =) Liebe Grüße! Miri

Mneme hat gesagt…

Wow, danke! Das ist wirklich ein wichtige Thema und sehr gut zusammengefasst!

Ich habe letztens im Biomarkt einfach auf jede Orange einen eigenen Aufkleber drauf gemacht... Ich dachte, wenn ich den nur auf eine draufklebe, glauben die mir vielleicht nicht, dass ich nicht doch mehr genommen als gewogen habe... Naja, beim nächsten Mal frage ich auch einfach nach.

Mihl hat gesagt…

Vielen Dank für die tolle Zusammenfassung!

Anonym hat gesagt…

mh.... vor Plastik warnen aber bestimmt täglich tragen...in Form von Polyurethan, der Kunststoff für Schuhe, Taschen, Jacken....
Und den trägt man auf der Haut!!!!!! Dieser Stoff enthält Herstellungsbedingt DMF in verschiedenen Konzentrationen, welches langfristig zu Leberschäden führt....
mh... zudem ist die Herstellung auch nicht ohne, was leider auch oft die Umwelt und die Menschen in Fern Ost stark schädigt.

Aber hauptsache euch geht es gut....

Mneme hat gesagt…

Wie nett, dass deine Anschuldigung auf einer Vermutung beruht.

Anonym hat gesagt…

Vermutung auf was....
ich vermute ja schon das "eingefleischte" veganer KEIN Leder tragen :)

Mneme hat gesagt…

Das hat nichts mit vegan ja oder nein zu tun, ich habe auch vorher schon nicht ausschließlich nur Lederschuhe besessen.
Hier geht es darum, schädliche Stoffe nach Möglichkeit zu meiden. Fertig.

Birdie hat gesagt…

@Anonym, klar Leder trage ich nicht. Und ich versuche zudem gefährliche Kunststoffe in der Kleidung zu vermeiden. Aber es gibt ja auch noch Baumwolle und Läden die diesen unter fairen Bedingungen verarbeiten. Aber es ist wirklich nett, dass du dir so viele Sorgen um meine Gesundheit machst, wo wir uns doch gar nicht kennen. Nur der Ton ist irgendwie irritierend.

Birdie hat gesagt…

Ach, übrigens wird Leder oft mit Chrom gegärbt, was Allergien und Hausreizungen auslösen kann.

Lea hat gesagt…

und gerade gestern kam auch ein bericht über genau dieses thema bei galileo. muss man mal ein bisschen im internet schauen, obs den so im nachhinein noch zu sehen gibt.

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